Das Twitter nach der Testphase für alle Nutzer die Zeichenbegrenzung auf 280 Zeichen pro Tweet  anhebt, war absehbar. Schließlich haben die Twitter-Manager schon mehrfach betont, dass die Testphase erfolgreich verlaufen würde und die (Test-) Nutzer dies dankbar annehmen würden. Doch ist das wirklich so?

Twitter hat die letzten Jahre sukzessive die Limitationen und Vorteile gegenüber anderen Social Networks abgebaut und etablierte Begrenzungen aufgehoben. So wurden u.a. schon die Zeichenfreiheit von Bildern und Begrenzung der Zeichen für Hyperlinks als Revolutionen angesehen. Nun ist also auch die Begrenzung  – zwar nicht aufgehoben aber dennoch verdoppelt – was dem User schon deutlich mehr Spielraum gewährt und einen ähnlichen Effekt darstellt, wenn man davon ausgeht, dass „herkömmliche“ Posts auf Social Networks selten mehr als 200 Zeichen besitzen.

Der Hintergrund, der von Twitter verfolgt wird, ist offensichtlich: Mehr aktive Nutzer sollen zu höheren Werbeeinnahmen und endlich zu Profitabilität führen. Doch geht die Strategie auf? Zunächst stelle ich mich als Nutzern die Frage, was Twitter überhaupt noch von den konkurrierenden Plattformen unterscheidet. Bisher war Twitter doch immer als etablierte Plattform – zumindest bei einer Vielzahl der Unternehmen aus dem B2B Umfeld – gesetzt. Für mich war der Vorteil von Twitter immer, dass man aufgrund der Begrenzung keine langen Phrasen oder Content direkt im Tweet hinterlegen konnte. Dadurch musste man  – plagativ gesagt – nicht groß recherchieren oder erst langen Content verfassen, sondern konnte kurz und prägnant seine Meinung zu bestimmten Themen veröffentlichen. Auf der anderen Seite war es dabei auch eine Kunst den Tweet so zu optimieren, dass man den vermittelten Inhalt wiedergeben kann und so kurz verfasst, dass auch geklickt wird. Die Aufhebung der 140 Zeichen Limitation wird langfristig dazu sorgen, dass sich die Tweets von anderen Posts aus Social Networks kaum mehr unterscheiden werden. Für den Nutzer bleibt nur noch der Unterschied der Zielgruppe von Bedeutung. Dieser zwar durchaus wichtige Aspekt sorgt in erster Linie dafür, dass der Kanal zwar weiter mit Content gefühlt wird, dieser aber nicht mehr zwangsläufig auf Limitation angepasst werden muss und die Tweets sich immer weniger von Facebook-Posts o.ä. unterscheiden. Da stellt sich für mich als User die Frage: Muss ich überhaupt noch auf Twitter aktiv sein, wenn der Content identisch ist?

Ich erwarte mit Spannung, wie die User diese „Kehrtwende“ annehmen werden. Kurzfristig wird sich sicher nicht viel ändern. Nutzer, wie auch Unternehmen, werden so weiter machen, wie vorher und sich freuen nicht den Tweet auf 140 Zeichen zu komprimieren. Das spart Zeit bei der Erstellung. Langfristig muss man sehen, wie sich das ganze entwickelt. Meiner Meinung nach, sind die Nutzer zunächst doch mit der recht schnellen Aufhebung der Zeichen-Limitation überfordert gewesen und werden erst nach und nach die Unterschiede annehmen. Kurzfristig wird sicherlich versucht die Tweets weiterhin kurz zu halten. Langfristig werden diese sich an die Grenze von 280 Zeichen annähern. Das wiederum wird dazu sorgen, dass ein „Information Overload“ entsteht und nicht mit einem kurzen Blick ersichtlich wird, was der Content aussagen soll. Genau da besteht die Gefahr: Geht die Strategie von Twitter auf, dann wachsen die Nutzerzahlen, was letztendlich zu mehr Werbung auf der Plattform führt. Dies wiederum schreck wieder User ab und der Abwehrtstrend nimmt seinen Lauf … Seien wir gespannt, was wirklich passiert …

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